Naturpark Luberon

Gastbeitrag von La Vie est belle

Samstags auf dem typisch provenzalischen Markt in Apt treffen sich Urlauber und Einwohner aus dem ganzen Luberon, dem Parc naturel régional du Luberon, in den unzähligen Cafés zu Kaffee, eisgekühltem Weißwein und Pastis. In die meisten Bars und Cafés bringt man das, was man zum Frühstück essen möchte, aus einer der zahlreichen Bäckereien mit. Zu alkoholischen Getränken gibt es aber häufig kleine Snacks wie die Oliven der Region oder Brotscheibchen mit Tapenade oder Wurst. Der Markt zieht sich durch die gesamte Altstadt

bis zu dem großen Parkplatz vor der Porte de Saignon, einem alten Stadttor. Das Angebot ist überwältigend und reicht vom gesamten kulinarischen Repertoire der Region, über alle möglichen Souvenirs bis zu dem, was es für das Landleben so braucht.

Der Nationalpark Luberon in der Provence ist noch wild und mythenumwoben, eine einmalige Gegend mitten in Europa mit vielfältigen Reliefs. Die größeren Orte wie Cavaillon, Apt, Pertuis, Manosque und Forcalquier bieten Abwechslung und Unterhaltung im südfranzösischen Flair, dagegen sind viele abgelegene Orte auch im Sommer nicht überlaufen und man kann lange wandern und Radfahren, ohne anderen zu begegnen.

Abseits der großen Städte und Touristenattraktionen können auf abgelegen Straßen, Wegen und Pfaden malerische Bergdörfer, duftende Lavendelfelder, weite Olivenhaine, endlose Weinberge und berühmte Weingüter besichtigt werden.

Immer wieder atemberaubend sind die mitunter unerwarteten grandiosen Aussichten im Naturpark Luberon. Die höchste Erhebung ist der Mourre Nègre mit 1125 Meter, schon von Marcel Pagnol beschrieben und auch heute weitestgehend unbebaut. Garique heißt der Bewuchs, der zum größten Teil aus Eichen, Rosmarin und anderen wilden Kräutern besteht. Auf dem Kamm des Grand Luberon ist eine für den motorisierten Verkehr gesperrte Straße, auf der man sehr gut wandern und Rad fahren kann und, wenn es doch mal sehr heiß ist, bei einem Bad im Ètang de la Bonde, dem mit 30 Hektar größte Wasserfläche des Luberon-Regionalparks an der Südflanke, die nötige Abkühlung findet.

Zwischen Bonnieux und Saignon liegt der Forêt des Cèdres, eine wahre Entdecken im Kleinen Luberon: der einmalige Zedernwald. Kühl und schattig, im Sommer sehr beliebt, bietet dieser Wald die Gelegenheit, die Arbeit der Förster besser kennenzulernen, Rast zu machen oder inmitten dieser herrlichen Gegend zu wandern, mit einmaligem Blick auf den Luberon, den Mont-Ventoux, und in der Ferne den Etang de Berre und die Vorberge um Marseille.

Zahlreiche kleinere Dörfer und Ortschaften, villages, liegen um einzelne Berge und Hügel geschmiegt, beindrucken mit Silhouetten in unterschiedlichen Ockertönen und verdienen ausnahmslos ausführlichere Beschreibungen.

Saignon Saignon4

Saignon hat derzeit etwas über 1000 Einwohner, der Ortskern besticht mit seinen kleinen Gassen und dem zentralen Platz mit Brunnen, die Kirche Notre-Dame-de-Pitié wurde im 11. und 12. Jahrhundert erbaut und vom Aussichtsfelsen genießt man Blicke über die Berge des Vaucluse bis zum Mont Ventoux. Gerne esse ich im Restaurant „Le comptoir de Balthazar“ am Place de l’église auf der überdachten Terrasse vor dem Haus, auf der nur wenige Tische Platz finden. Man wählt die jeweiligen Gänge aus dem Tagesangebot und es sind wenige. Wasser steht in den pastellfarbenen Flaschen und aufgefordert auf dem Tisch.

Blick von Lacoste
Blick von Lacoste

Von der Schlossruine der Familie de Sade in Lacoste hat man eine wunderbare Aussicht auf das gegenüberliegende Bonnieux das Tal und die Berge.

Blick auf Gordes
Blick auf Gordes

Die Fahrt von Apt durch die Schlucht von Lourmarin die den Grand Luberon vom Petite Luberon von Ost nach West durchtrennt, ist atemberaubend. Im Schloss von Lourmarin finden viele interessante Veranstaltungen statt. Auf dem Friedhof ist die letzte Ruhestädte des Schriftstellers Albert Camus.

Schloss von Lourmarin
Schloss von Lourmarin

 

Es ist mir unmöglich hier abschließend mit der gebührenden Ausführlichkeit zu beschreiben, was die Aufmerksamkeit und das Interesse beansprucht.

Col de Murs
Col de Murs
Lavendelfeld mit Blick auf den Grand Luberon
Lavendelfeld mit Blick auf den Grand Luberon

Die Begegnungen mit den Menschen und deren Geschichten würden separate Berichte füllen. Ein Weinbauer muss jedes Mal lachen, wenn wir uns begegnen. Fragte er mich doch in den ersten Monaten meiner Ankunft, für meine Ohren, wie ich die Schuhe finde. Ja, ich verstand, dass er fragte, wie ich die Schuhe finden würde und ich war sehr erstaunt und lobte dann sein Schuhe. Worauf er mich sehr erstaunt anschaute und loslachte. Er fragte mich aber, wie ich die Jäger finde. Schuhe (les chaussures) und Jäger (les chasseurs) klingen im Französischen sehr ähnlich und kannte damals das Wort für Jäger noch gar nicht. Und ich werde es nie wieder vergessen!

Winterbeschäftigung eines Lavendelbauern
Winterbeschäftigung eines Lavendelbauern

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